Zeugenbericht der Konferenz der Gewerkschaft Community

Von Eric Lee

Gestern war ich in Southport bei der Konferenz der Gewerkschaft Union.

Community ist eine kleinere britische Gewerkschaft, die aus dem Zusammenschluss von zwei Gewerkschaften aus der Metall- und der Textilindustrie enstanden ist. Aber obwohl die Gewerkschaft nur 70 ooo Arbeiterinnen und Arbeiter repräsentiert, spielt sie eine große Rolle in der Gewerkschaftsbewegung. Ihr Generalsekretär, Michael Leahy, ist der Präsident des diesjährigen Gewerkschaftskongresses.

Leahy eröffnete die Konferenz mit einer positiven Bemerkung über TULIP, das von Community im Rahmen ihrer internationalen Projekte unterstützt wird, und erwähnte auch andere internationale Projekte, wie Justice for Colombia und die Zusammenarbeit mit dem internationalen Metallgewerkschaftsbund (IMB).

Seiner Ansprache folgte die Rede von Jyrka Raina, dem Generalsekretär des IMB.

Der Vorstandsrat der Gewerkschaft wollte über eine Resolution abstimmen, die eine sehr moderate Sichtweise bezüglich des Konfliktes im Nahen Osten vorschlug. Die Gewerkschaft ist stolz, eine moderate und vernünftige Sichtweise zu vertreten, und ist sowohl mit Trade Union Friends of Israel (TUFI), als auch mit der Palestine Solidarity Campaign (PSC) verbunden. Delegierte der Gewerkschaft haben Israel und Palästina besucht.

Ich saß deshalb gegenüber von Hugh Lanning, dem Sprecher von PSC, auf einem Podium vor etwa zwei hundert Gewerkschaftern. Wir hatten jeweils zehn Minuten, um für unsere Seite zu werben, worauf eine Diskussion und die Abstimmung folgte.

Ich nutzte meine Zeit um die Gewerkschaft für ihre ausgewogene Position zu loben und die PSC zu kritisieren, die meiner Meinung nach eine extremistische Position vertreten und für die Ein-Staat-Lösung sind. Lanning behauptete jedoch, Israel und die Zwei-Staaten-Lösung zu unterstützen, und Terrorismus abzulehnen.

Auf meine Nachfrage, warum die PSC Webseite dies so nicht darstelle, ging Lanning nicht ein. Auf meine weitere Nachfrage, warum Lanning während des Delegierten-Besuchs in Israel und Palästina der Histadrut keinen Besuch abgestattet hat, erwiderte er, dass es sich bei der PSC und der Histadrut eben um zwei verschiedene Organisationen handeln würde.

Ein Delegierter im Publikum mit jemenitischer Abstammung wies darauf hin, dass die Gewerkschaft sich nicht mit internationalen Problemen befassen, sondern sich auf die Probleme der britischen Arbeiter konzentrieren sollte.

Ein anderer junger Delegierter aus dem Publikum argumentierte, dass TULIP Betrug sei, da es zwar behaupten würde, mit der Palestine General Federation of Trade Unions (PGFTU) in Verbindung zu stehen, diese TULIP aber eigentlich boykottieren würde.

Ich verneinte dies und wies darauf hin, dass TUFI sich regelmäßig mit Vertretern der PGFTU triff, und dass auch die Histadrut und die PGFTU sich regelmäßig treffen.

Die Debatte zog sich hin, wobei das Hauptargument gegen die Resolution die Forderung blieb, sich auf britische Angelegenheiten zu konzentrieren.

Ein Sprecher kritisierte jedoch Michael Leahy persönlich und warf ihm vor, TULIP und TUFI nur zu benutzen, um Flüge in der ersten Klasse nach Israel und Aufenthalte in fünf-Sterne-Hotels dort finanziert zu bekommen. Der gleiche Sprecher behauptete, dass die Resolution nach der Gründung von TULIP entworfen wurde, um im Nachhinein Michael Leahys Unterstützung für die Organisation zu rechtfertigen.

Beiden Sprechern der Opposition wurde applaudiert. Die Erwiderung des Vorstandes war meiner Meinung nach schwach, weder Leahy noch andere Mitglieder sprachen.

Die darauf folgende Wahl fiel entsprechend aus: Die Resolution wurde nicht verabschiedet.

Aus eigener Beobachtung kann ich sagen, dass die Delegierten nicht genug über die Resolution informiert waren und sie deshalb nicht verstanden haben.

Diese Niederlage sollte jedoch nicht unterschätzt werden. Community war bisher die vernünftigste Gewerkschaft in Bezug auf Israel und Palästina. Ihr Vorstand hatte einhellig eintschieden, eine ausgewogene Resolution zur Wahl zu stellen, hat es allerdings versäumt, ihre Delegierten angemessen darüber zu informieren. Diese haben sich daher dazu entschieden, erst einmal gar keine Position zu beziehen.

Es liegt also eine Menge Arbeit vor uns, sowohl in dieser Gewerkschaft, als auch in anderen.